Informationen zu AIS.chat
24. Juli 2026

Dialogpartner in AIS.chat

Piwi – Ein Lernbegleiter im Sachunterricht der Grundschule

Frauke Koschinski ist Grundschullehrerin und Medienberaterin für die Bezirksregierung Arnsberg. Ihr Fokus liegt darauf, Lehrkräfte zu begleiten, Künstliche Intelligenz reflektiert in den Unterricht zu integrieren, mit dem Ziel, Lernprozesse nachhaltig zu bereichern und das kritische Denken der Schülerinnen und Schüler zu fördern.

Mein erster Eindruck

Bei der Frage „KI in der Grundschule – ja oder nein?“ ist die Antwort für mich darauf ein klares „Ja“.

Zum einen gehören Fragen wie „Was ist KI?“ und „Wie funktioniert sie?“ längst zu einer zeitgemäßen informatischen Grundbildung, denn Kinder wachsen mit digitalen Technologien auf und sollten deren Chancen und Grenzen früh verstehen lernen. Zum anderen steckt in KI großes Potenzial für selbstreguliertes, individuelles Lernen. Denn richtig eingesetzt kann sie Kinder darin unterstützen, eigene Fragen weiterzuentwickeln, Inhalte verständlicher zu erschließen und ihren Lernprozess aktiv mitzugestalten.

Einfach ist der Weg dorthin allerdings nicht. KI-Angebote für Grundschülerinnen und Grundschüler sind in der Regel kostenpflichtig, gleichzeitig dürfen viele Dienste aus Datenschutzgründen von ihnen meist überhaupt nicht selbstständig genutzt werden.  Umso mehr habe ich mich gefreut, mit AIS.chat erstmals eine datenschutzkonforme und kostenlose Lösung an der Hand zu haben, um KI gemeinsam mit meiner zweiten Klasse zu erproben.

Von Anfang an war mir wichtig, dass KI die Recherche nicht ersetzen, sondern ergänzen soll. Meine Klasse recherchierte zunächst mit Sachbüchern, Tierlexika, Sachfilmen und einer interaktiven Lernumgebung zum Thema Haustiere. Erst danach kam der von mir konfigurierte Dialogpartner „Piwi, der Freund der Haustiere“ in AIS.chat zum Einsatz. Dieser sollte die Kinder darin unterstützen, Informationen zu überprüfen, zu ergänzen oder sich schwierige Sachverhalte verständlich erklären zu lassen. Denn darin liegt für mich der größte Mehrwert.

Was gut funktioniert hat

Die Kinder kamen erstaunlich gut mit dem Dialogpartner zurecht. Da wir vorab gemeinsam die Struktur unseres digitalen Haustierbuches im Book Creator sowie zentrale Forscherfragen erarbeitet hatten, fiel es ihnen leicht, gezielte Fragen zu stellen und die Antworten mit den eigenen Rechercheergebnissen abzugleichen.

Bemerkenswert war, wie schnell sie den Umgang mit der KI lernten. Anfangs störten sie sich an den oft langen Antworten, aber schon bald kamen sie selbst auf die Idee, um kürzere, einfachere Erklärungen zu bitten, und erfuhren dabei ganz praktisch, dass die Qualität einer Antwort auch von der eigenen Frage abhängt.

Zur ersten Informationsquelle wurde der Dialogpartner Piwi dabei aber selten. Meist hatten die Kinder das Gesuchte bereits in Sachbüchern oder Sachfilmen gefunden und nutzten Piwi, um Ergebnisse zu prüfen, einzelne Aspekte zu ergänzen oder Unklares verständlicher erklärt zu bekommen. Erst danach entschieden sie gemeinsam, was ins digitale Haustierbuch übernommen werden sollte.

Auch die Teamarbeit erwies sich als Gewinn. Einzelne Kinder überprüften Informationen mit Piwi, tauschten sich anschließend im Team aus und trafen gemeinsame Entscheidungen. So wurde die KI nicht zur alleinigen Wissensquelle, sondern zu einem Gesprächspartner, der durch Rückfragen den fachlichen Austausch in der Gruppe anregte.

Grenzen im Umgang mit KI

Der Dialogpartner lieferte insgesamt sehr zuverlässige Antworten. Da ich ihn vorab mit passenden Hintergrundinformationen und ausgewählten Webseiten gefüttert hatte, deckten sich die Inhalte weitgehend mit denen der Sachbücher, Abweichungen betrafen nur kleinere Details. Diese Unterschiede nutzten wir als Anlass, weitere Quellen heranzuziehen und zu überlegen, warum Antworten voneinander abweichen können. So entstand ein Lernanlass, aus dem ganz nebenbei ein Gespür für den Vergleich und die Einordnung von Quellen erwuchs.

Halluzinationen oder frei erfundene Inhalte traten in der gesamten Unterrichtsreihe nicht auf. Die zuvor entwickelten Forscherfragen gaben den Kindern eine gute Orientierung, sodass sie ihre Fragen ohne größere Mühe formulierten und nach dem ersten Zugang über den QR-Code weitgehend selbstständig arbeiteten.

Eine technische Hürde gab es erst gegen Ende. Als die bereitgestellten Token aufgebraucht waren, musste ein neuer QR-Code erzeugt werden. Der Wechsel sorgte kurzzeitig für Verwirrung und unterbrach den Arbeitsfluss. (Hinweis FWU: Die Verlängerung einer Session sowie die Erhöhung der Tokens ist nun ohne großen Aufwand möglich.)

Grenzen sehe ich vor allem beim Einsatz mit Kindern, deren Lese- und Schreibkompetenzen sich noch entwickeln. Für eine selbstständige Nutzung von AIS.chat benötigen die Lernenden ausreichende Kompetenzen im Lesen und Schreiben. Eine integrierte Diktier- und Vorlesefunktion würde den Einsatz insbesondere im Anfangsunterricht deutlich erleichtern. Gleichzeitig könnte sie dazu beitragen, den Zugang für Kinder mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen zu verbessern und damit einen inklusiveren Unterricht unterstützen.

Feedback der Lernenden

Die Kinder waren von Beginn an sehr neugierig auf die Nutzung des KI-Chatbots. Viele hatten schon von Künstlicher Intelligenz gehört, konnten sich darunter aber wenig vorstellen. Eigene Fragen zu stellen und sofort Antworten zu bekommen, weckte großes Interesse und hielt die Motivation über die gesamte Reihe hoch.

Interessant war auch, welche neuen Fragen dabei entstanden: Wie funktioniert eine KI eigentlich? Warum antwortet sie manchmal anders als ein Buch? Und weshalb weiß sie nicht einfach alles? Aus dieser Neugier wuchs die Idee, im Anschluss an das Haustierprojekt eine eigene Reihe zum Thema „KI erforschen“ durchzuführen. (Siehe https://nrw.edumaps.de/171003/36858/3u4zf81zga/1u75t4u0c1) Der Dialogpartner war damit nicht nur Werkzeug für die Recherche, sondern zugleich Ausgangspunkt für informatische Grundbildung.

Wünsche und Ideen

Für den Einsatz in der Grundschule wünsche ich mir vor allem eine integrierte Diktier- und Vorlesefunktion. Gerade Kinder, die noch am Anfang des Schriftspracherwerbs stehen, verfügen häufig noch nicht über die notwendigen Lese- und Schreibkompetenzen, um Fragen sicher zu formulieren oder längere Antworten selbstständig zu erfassen. Diese beiden Funktionen würden den Zugang zu AIS.chat deutlich erleichtern und eine selbstständigere Nutzung ermöglichen.

Auch für weitere Unterrichtsvorhaben sehe ich viel Potenzial. Der Dialogpartner eignet sich nicht nur zur Recherche, sondern kann Kinder auch beim Erklären, Vergleichen, Reflektieren und Weiterdenken begleiten. Dadurch eröffnen sich gerade im Sachunterricht vielfältige Möglichkeiten.

Praktische Tipps
  • Bereiten Sie den Dialogpartner sorgfältig vor und passen Sie ihn an Ihr Unterrichtsvorhaben an. Ich habe dafür einen AIS-Assistenten genutzt: https://app.ais-chat.schule/assistants/2f14509f-2358-48e3-a9e4-7ebfa47148c2
  • Lassen Sie die Kinder zunächst mit analogen Quellen wie Sachbüchern, Tierlexika und Sachfilmen recherchieren – der Dialogpartner kommt erst danach zum Einsatz.
  • Entwickeln Sie gemeinsam mit der Klasse Forscherfragen und den Aufbau des Endprodukts. Das erleichtert das Formulieren sinnvoller Fragen.
  • Planen Sie genug Zeit für den Austausch in den Teams ein – die gemeinsame Diskussion über die Ergebnisse ist mindestens so wertvoll wie die Antworten der KI selbst.
  • Bei ausreichend Endgeräten ermöglicht eine 1:1-Ausstattung allen Kindern eigene Erfahrungen mit dem Dialogpartner.
  • Bewährt haben sich Doppelstunden, deren letzte Viertelstunde fest für die gemeinsame Reflexion reserviert war – ein wichtiger Bestandteil des Lernprozesses.
Fazit

Die Unterrichtsreihe hat mir gezeigt, dass AIS.chat Potenzial für einen lernförderlichen Einsatz in der Grundschule hat. Sein größter Mehrwert liegt nicht darin, Informationen bereitzustellen, sondern als Dialogpartner, Fragen weiterzuentwickeln, Informationen verständlicher aufzubereiten und Quellen miteinander zu vergleichen und somit Kinder beim Lernen zu begleiten.

Entscheidend für den Lernerfolg war aus meiner Sicht die didaktische Einbettung. Erst die selbstständige Recherche, dann der Dialogpartner zum Ergänzen, Überprüfen und Vertiefen. So wurde deutlich, dass KI die eigene Recherche nicht ersetzt, sondern sinnvoll erweitert und so bereits in der Grundschule einen echten Beitrag zum selbstständigen Lernen, zu informatischer Grundbildung und zu einem reflektierten Umgang mit digitalen Medien leisten kann.

Zu mir

Ich bin Grundschullehrerin und seit neun Jahren als Medienberaterin für die Bezirksregierung Arnsberg tätig. Meine fachlichen Schwerpunkte liegen im lernförderlichen Einsatz von Künstlicher Intelligenz und digitalen Medien in der Grundschule sowie in der Förderung selbstregulierten Lernens. Ich entwickle praxisnahe KI-Dialogpartner für den Unterricht und unterstütze Lehrkräfte dabei, Künstliche Intelligenz didaktisch sinnvoll und reflektiert im Unterricht einzusetzen. Über LinkedIn tausche ich mich regelmäßig mit Lehrkräften und Bildungsinteressierten zu aktuellen Entwicklungen der digitalen Bildung aus. Mein Anliegen ist es, Lehrkräfte dabei zu unterstützen, Künstliche Intelligenz so einzusetzen, dass sie Lernprozesse bereichert, kritisches Denken fördert und den Unterricht sinnvoll ergänzt.